NFP in der Stillzeit: So verhütest du hormonfrei nach der Geburt


Gehörst du zu der Sorte Frauen – laut Studien sind es etwa die Hälfte – die innerhalb der ersten 8 Wochen nach der Geburt den sexuellen Kontakt zum Partner wiederaufnehmen? Oder gehörst du zur anderen Hälfte, die sich durch den engen körperlichen Kontakt zum Baby und den neuen Herausforderungen ein bisschen Zeit lassen? Für Frauen aus beiden Gruppen ist die Phase nach der ersten Geburt ein guter Zeitpunkt entdlich hormonfrei zu verhüten, z.B. mit NFP in der Stillzeit.


NFP in der Stillzeit: Ist Verhütung überhaupt notwendig?


Stillen schützt vorm Schwanger werden? Das ist ein verbreiteter Irrglaube. Hier bleibt die Tatsache unbeachtet, dass der erste Eisprung häufig schon VOR der ersten Regelblutung nach der Geburt auftritt. Glücklicherweise gibt es auch für diese besondere Zeit definierte Regeln, mit dessen Hilfe du sicher und hormonfrei verhüten kannst. Welche Regeln das sind erkläre ich im Folgenden.


Zu welchem Zeitpunkt die Frau ihren ersten Eisprung hat und damit wieder fruchtbar ist, hängt davon ab ob und wie oft du dein Baby stillst. In der Theorie unterdrückt das milchbildende Hormon Prolaktin bei Frauen, die wenigstens alle 4 Stunden ihr Baby stillen, den Eisprung. Allgemein kann man sagen:


  • Eine Frau, die häufig stillt, kann erst nach ein paar Monaten wieder einen regelmäßigen Zyklus mit Eisprung erwarten.

  • Eine Frau die gar nicht stillt, bekommt häufig schon viel früher, also nach ein paar Wochen wieder einen regemäßigen Zyklus. Verantwortlich sind dafür die milchbildenden Hormone.


Wenn du jeden Punkt auf der folgenden Checkliste für dich abhaken kannst, darfst du vereinfacht verhüten. Das heißt du kannst eine Abkürzung gehen und sicher nach LAM (Lactational Amenorrhoea Method) verhüten. Wenn nicht gehe direkt zu 2. NFP in der Stillzeit.


1. NFP in der Stillzeit: Unter folgenden Bedingungen bist du unfruchtbar


LAM vereinfacht die Verhütung mit NFP in der Stillzeit, kann aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen angewendet werden. Sie ist für alle Frauen geeignet, die länger voll stillen möchten. Diese Methode ist weltweit wissenschaftlich sehr gut untersucht. Sie geht auf die Beobachtung zurück, dass bei vollem Stillen in den ersten 6 Monaten nach der Geburt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit (98%) ein Eisprung nur dann auftritt, wenn vorher eine Regelblutung stattgefunden hat. Das heißt du kannst in den ersten 6 Monaten mit extrem geringem Aufwand (nur Beobachtung von Stillverhalten und Blutung) ein Maximum an Verhütung raus holen.


Nun gehe jeden einzelnen Punkt auf der folgenden Checkliste durch. Es sind die BEdingungen für voll stillende Mamas. Solange alle der folgenden Kriterien gegeben sind, bist du unfruchtbar:


  • Du stillst voll: das heißt dein Baby bekommt nichts außer Muttermilch

  • Dein Baby ist jünger als 6 Monate

  • Du hast keine Blutung nach der 8. Woche beobachtet

  • Dein Baby trinkt mindestens 6 Mal am Tag

  • Der größte Abstand zwischen den Stillmahlzeiten ist nicht länger ist als 6 Stunden

  • Dein Baby hat keinen Schnuller


Treffen alle Bedingungen auf dich zu? Prima. Dann bist du nach LAM unfruchtbar.


Ist allerdings eine dieser Bedingungen nicht mehr gegeben, musst du gemäß NFP in der Stillzeit verhüten. Diese Regel erläutere ich im Folgenden.

2. NFP in der Stillzeit, wenn die Bedingungen für voll stillende Mamas nicht zutreffen


Wenn dein Baby zusätzlich Wasser oder Tee bekommt, einen Schnuller hat, älter als 6 Monate alt ist, du nach der 8. Woche eine Blutung hattest, dein Baby längere Stillpausen als 6 Stunden hat oder gar nicht mehr gestillt wird. Wenn einer dieser Punkte zutrifft, sollte nicht direkt Unfruchtbarkeit angenommen werden, sondern nach folgenden Regeln ausgewertet werden.


Die ersten 10 Wochen nach der Geburt…


…kann Unfruchtbarkeit angenommen werden, es sei denn eine Blutung tritt nach der 8. Woche auf


Ab der 11. Woche nach der Geburt…


… bis zur ersten Temperaturhochlage wird nur Zervixschleim ausgewertet (nicht wie sonst üblich: Zervixschleim und Basaltemperatur). Dies ist bei konsequenter Einhaltung der Regeln ausreichen sicher.


Auswertung des Zervixschleims:


  • Regel 1: Solange Trockenheit oder nichts empfunden wird und kein Zervixschleim sichtbar ist, wird Unfruchtbarkeit angenommen

  • Regel 2: sobald Zervixschleim sichtbar oder Feuchtigkeit empfunden wird, muss Fruchtbarkeit angenommen werden. Die Unfruchtbarkeit beginnt erst wieder am Abend des 4. Tages nach dem Zervixschleimhöhepunkt, wenn an diesem Tag nichts gesehen und empfunden wird. (Unterschied zur herkömmlichen Methoden: 4 Tage anstatt 3 abwarten)


Grundmuster der Unfruchtbarkeit:


  • Regel 3: wenn nach dem Wochenfluss niemals „trocken“ oder „nichts“ empfunden wird, sondern ständig zäher, dicklicher, weißlicher, klebriger Zervixschleim beobachtet wird und dieses Muster sich nicht über 3 Wochen ändert, kann angenommen werden, dass ein Grundmuster der Unfruchtbarkeit vorliegt und du nicht fruchtbar bist.

  • Regel 4: Jede Veränderung des Zervixschleims zur besseren Qualität wird als Beginn der fruchtbaren Zeit angenommen.

  • Regel 5: Wenn sich die Qualiät des Schleims zum Schlechten hin verändert, gelten nicht die Regeln des Grundmusters, sondern Regel 1 und 2

Auswertung der ersten Temperaturhochlage nach Geburt:


  • Regel 6: Die Temperatur wird nach den bekannten NFP Regel ausgewertet. Es wird allerdings eine zusätzliche Messung abgewartet, die allerdings nicht 0,2 Grad höher sein muss. Die unfruchtbare Zeit wird dann in doppelter Kontrolle mit dem Zervixcschleim wie gewohnt bestimmt.

Mein Fazit zu NFP in der Stillzeit


Mit diesen Regeln kannst du sicher und hormonfrei verhüten. Meine Beratungen zeigen, dass diese Methode für Frauen, die schon vor der Geburt mit NFP verhütet haben einfacher ist. Sie haben bereits ein Gefühl für ihren weiblichen Körperzeichen (Temperatur und Zervixschleim) entwickelt und können bspw. die unterschiedlichen Zervixschleimarten schnell voneinander unterscheiden und sehen wie sich die Temperaturhochlage ankündigt.


Frauen, die neu mit NFP starten, müssen sich intensiv mit dem Regelwerk befassen und die Methode erst lernen, bevor sie sie anwenden. Auch das ist in möglich und sicher. Wenn du mit NFP starten möchtest, kann dir mein Start GUIDE dabei helfen.


Ich werde NFP in der Stillzeit definitv anwenden, weil die Methode mir schon viele Jahre vor der Schwangerschaft großartig gefallen hat.


Schreib deine Gedanken und mögliche Bedenken in die Kommentare und ich werde dir antworten.


Bis bald, deine Laura

Über mich

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Mein Name ist Laura, ich bin angehende Heilpraktikerin für Frauengesundheit.

​Hier und auf Instagram gebe ich Frauen einen Einblick in das wundersame Räderwerk ihres Körpers, damit sie eigenständige und selbstbewusste Entscheidungen für ihre

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